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Narrenzunft Inneringen 1978 e.V. | |
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Der Verein Die Gruppen Fasnet |
Die Entstehung der Inneringer Fasnet Ein
genaues Alter der Inneringer Fasnet konnte bis heute noch nicht
erforscht werden, da die Entstehung und Entwicklung leider in früheren
Jahren nicht festgehalten wurde. Allein diese Ungewissheit zeigt, dass
bereits um die Jahrhundertwende das Fasnetstreiben zum örtlichen Leben
gehörte. Dabei waren es vor allem Mitglieder des Musikvereins, die für
die Durchführung der Ortsfasnet verantwortlich waren. Aber auch der frühere
Turnverein (heute TSV) war beteiligt, war doch die
"Narrenkasse" in die Kasse des Turnvereins integriert. Verantwortlich
für die Fasnet war damals der „Narrenvater“. Von Paul Fritz (Harscher-Paul)
ist überliefert, dass er von 1928 bis 1953, also 25 Jahre, diese
Funktion inne hatte. Auch gab es, vergleichbar mit dem heutigen
Zunftrat, ein Gremium, das die Fasnet organisierte. Schon damals wurde
Wert auf einheitliche Kleidung gelegt, wobei die sparsamen Inneringer
ihre Sonntagsanzüge mit einer auffälligen Goldborte versahen, die nach
der Fasnet wieder sorgfältig entfernt wurde, um den Anzug wieder
alltagstauglich zu machen. Wohl bereits vor dem Krieg gab es in
Inneringen einen "Prinzen Charneval" mit Partnerin, in dessen
Gefolge der „Stadtbürgermeister“ und der "Adjutant",
meist hoch zu Ross, ebenfalls markante Figuren darstellten.
Die
erste Hälfte des 20. Jahrhunderts Zur
damaligen Zeit war es üblich, dass in allen Gasthäusern Hausbälle
abgehalten wurden. Darüber hinaus fand am Fasnetssonntag jeweils
parallel der Ledigenball und der Bürgerball statt, im jährlichen
Wechsel der eine im Adler- und der andere im Schwanensaal. Hierbei
handelte es sich jedoch um reine Maskenbälle ohne Programmpunkte. Wie
die Namen es vermuten lassen, war der eine Ball für die
"Ledigen", der andere für die Verheirateten, also die "Bürger"
vorgesehen. Am
Fasnetsmontag oder -dienstag wurde ein Umzug organisiert, an dem sich
jedoch keine auswärtigen Vereine und Gruppen beteiligten. Markante
Ereignisse und Gegebenheiten des vergangenen Jahres wurden hier in mühevoller
Kleinarbeit, teilweise auch mit gesanglichen Einlagen dargestellt. Die
Bevölkerung versammelte sich hierzu an verschiedenen Plätzen, an denen
die Wagenkolonne stoppte, um den theatralischen Vorführungen der
Wagenbauer zu lauschen. Noch heute wird von der älteren Generation
bedauert, dass dieses Schauspiel nicht mehr stattfindet. Das heute noch
stattfindende "Ausschreien" der Fasnet am Fasnetssonntag nach
der Kirche lässt in etwa noch erahnen, wie dieser Umzug in der
damaligen Zeit abgelaufen ist. „Schlachtruf“
der damaligen Narren war übrigens das „Horig“, das sich –
einstmals weit verbreitet in der Region – letztlich nur noch in
Gammertingen halten konnte. Die 50er JahreBesondere Erwähnung verdienen die 50er Jahre, in denen das Narrenleben höchst aktiv betrieben wurde. Auch stehen aus dieser Zeit noch recht detaillierte Aufzeichnungen zur Verfügung, die es verdienen, in Erinnerung gerufen zu werden.
Fasnetsgesellschaft
in den 50ern: Zu sehen sind u.a. Hieron Miller, Kurt Teufel, Stefan
Fink, Rudi Hospach, Karl Bregenzer, Edi Metzger und Walter Teufel. Der erste größere Umzug fand 1951 statt, Hermann Steinhart war „Prinz Charneval“, seine spätere Frau Irmgard Guhl stand ihm als Prinzessin zur Seite. Drei „Gruppen“ nahmen an diesem Umzug teil, der Wiener Prater (Riesenrad) war ebenso versinnbildlicht wie die Reeperbahn auf St. Pauli. Aber auch politisches wurde auf die Schippe genommen: Westliche Größen trafen sich mit Josef Stalin, der eigenhändig den eisernen Vorhang lüftete – ein Ereignis, dass noch fast vier Jahrzehnte auf sich warten ließ. Bei dieser Gelegenheit fand eine erste „Ausmusterung zur Europaarmee statt“, bei der sich Josef Maier wohl besonders auszeichnete.
Eines
der wenigen Bilder, das sich genau datieren lässt: An der Fasnet 1951
wurde der Wiener Prater dargestellt. Wilhelm Gluitz und Josef Metzger
fungierten als Clowns, auf dem vorneweg fahrenden Prinzenwagen stehen
Hermann Steinhart und Irmgard Guhl. 1952
amtierten Adelbert Flöß als „Prinz Charneval“ und Rosa Beck, die
Tochter des Hauptlehrers Beck, als seine Prinzessin. Wiederum
beteiligten sich drei Gruppen am Umzug: Die Altweibermühle, eine
Schifffahrtsgesellschaft und – während der Besatzungszeit war das
Jagen verboten – eine Wilderergruppe mit Mercedes.
In
den 50er Jahren war es üblich, dass während den Wintermonaten fleißig
gebastelt wurde. Wie hier dieses eigenartige Tandem von Rudolf Hospach
und Albert Kempf. Ab dem Jahr 1953 sind die Geschehnisse der Inneringer Fasnet – wenn auch mit späteren Lücken - recht gut dokumentiert. Karl Fritz (Harscher-Karl) begann diese Aufzeichnungen mit der aus heutiger Sicht höchst lobenswerten Absicht, „das fröhliche Erleben der Fasnachtstage für spätere Zeiten festzuhalten“. Er erwähnt auch, das bereits vor dem II. Weltkrieg eine solche Chronik geführt wurde, die jedoch leider in den Kriegswirren verlorengegangen sei.
Wenn
es sein musste, fuhr der Traktor auch rückwärts: Albert Teufel, Adolf
Timme, Anton Guhl, Rudi Hospach und Karl Bregenzer. In
diesen Jahren übernahm auch ein offizieller "Elferrat" die
Vorbereitung und Durchführung der Fasnet in Inneringen. Der Narrenvater
wurde dann vom Elferrat aus den eigenen Reihen gewählten
angeführt. Zur Vorbereitung der Fasnet gab es Sitzungen des
Elferats und eine öffentliche „Narrenversammlung“, bei der das
Fasnetsprogramm und vor allem die Maskengruppen festgelegt wurden.
Beim
Unzug durch den Ort: Hans Kempf, Josef Teufel, Franz Fink (des Paul),
Rudi Hospach, Hans Knaus und Hieron Miller Nachfolger von Paul Fritz als Narrenvater war 1953 Zimmermeister Karl Birkle, aus diesem Jahr sind auch die Mitglieder des Elferrats überliefert: Wilhelm Kempf, Wunibald Flöß, Adelbert Flöß, Eugen Gluitz, Franz Knupfer, Paul Stauß, Albert Sprißler, Hans Kempf, Matthias Bulach, Fritz Flöß und Josef Teufel des Josef. Bei der Narrenversammlung 1953 verhängte der Elferrat im übrigen zum Teil recht drakonische Strafen: Braumeister Eduard Maier wurde ob seines Nichterscheinens dazu verurteilt, der Versammlung ein Fass Bier zu spendieren. Chronist Karl Fritz berichtet, dass der entsprechende Antrag des neuen Narrenvaters „mit Freude und Hallo angenommen wurde und der Versammlung starken Aufschwung gab“.
Am
Fuhrwerk Franz Blatter sen., als Clown Wilhelm Gluitz. Ganze fünf Gruppen beteiligten sich am Umzug 1953: Die vier Jahreszeiten wurden ebenso dargestellt wie die „Verkehrte Welt“ und eine „Eiserne Hochzeit“. Überliefert ist auch die Gruppe „Oktoberfest in Inneringen“ und – ihrer Zeit weit voraus – die Gruppe „Strategenforscher des Weltraums zur Besiedelung des Mars“. Auf Einladung von Bürgermeister Fink aus Veringenstadt reiste der Tross auch nach Veringenstadt, für diese kuriose Form der Fasnetsentwicklungshilfe entlohnte Stadtschultes Fink die Inneringer Narren mit fürstlichen 100 Mark.
Beim
Ausschreien der Fasnet: Klemens Blatter, Eugen Gluitz, Rudi Hospach,
Anton Guhl, Stefan Birkle und Franz Blatter. 1954 wurde Karl Teufel (Teufel-Alt) zum Narrenvater gewählt, ansonsten wurde der Elfferrat im Amt bestätigt. Neu war ein Festkomitee, dem neben dem Narrenvater auch Karl Birkle, Hauptlehrer Beck, Adelbert Flöß, Fräulein Lehrerin Wüst, Johanna Ott, Eduard Werner, Karl Grom und Bürgermeister Brandstetter angehörten. Ein besonderes Schmankerl dürfte der Vortrag von Hauptlehrer Richter beim sonntäglichen Bürgerball im Adler gewesen sein: Der Chronist berichtet, dass Richter anhand von selbstgemalten Bildern originelle Begebenheiten des verflossenen Jahres vortrug und diese mit humorvollen Versen erläuterte. Zum Umzug traten vier Gruppen an: Einerseits „Prinz Charneval“ Hieron Miller mit Prinzessin Elisabeth Kempf und Adjutant Adelbert Teufel sowie Stadtbürgermeister Hans Knaus mit „Gemahlin“ Anna Teufel in einem prunkvollen Galawagen, zum anderen die Gruppe „Lustiges Treiben in Tirol“ mit bairischer Musik und jodelnden Dirndln. Großen Anklang fand die „Schwäbische Eisenbahn“, die sämtlichen Narren die Gelegenheit bot, von einer Erholungs(Gast-)stätte in die andere gefahren zu werden. Wagen des Tages war „Dr. Pfuschkur und Murksmann“: Die Mitwirkenden fesselten die Zuschauer durch urkomische Untersuchungen an Hühneraugen und Schweißsocken, und mittels Massenhypnose wurden sogar eingebildete Kranke kuriert. Besuch kam auch aus Veringenstadt: Die „Stadtliga Höhlenforscher“ wurde jedoch bereits am Gasthaus Sonne gestellt, sie konnte sich – so der Chronist – in puncto Glanz und Aufmachung nicht mit den Einheimischen messen.
1955
amtierte Franz Teufel als „Prinz Charneval“, Adjutant war Leopold
Blatter und Josef Teufel des Konrad verkörperte den Stadtschultheiß.
Eine stattliche Reitergruppe gab das Progarmm bekannt und sorgte für
die erste Fasnetsstimmung. In diesem Jahr lassen sich auch die Urahnen
der Inneringer Guggenmusik nachweisen: Am Rosenmontag zog die
„Katzenmusik“ zum Wecken durch den Ort. Beim Bürgerball im Schwanen
wussten die „berühmtesten Waschweiber der Stadt“ Neues zu berichten
und schon damals vermerkte der Chronist, dass für so eine Darbietung
eine Lautsprecheranlage unerlässlich ist. Beim gleichzeitig
stattfindenden Ledigenball im Adler traten mehrere Maskenpartien auf,
darunter auch eine Gruppe aus Hettingen. Näheres vom Umzug ist leider
nicht überliefert. Im Jahr 1956 konnte die Narrenkasse sogar einen Barbestand von 45 DM vermelden. In diesem Jahr begab sich der Inneringer Elferrat auf Fortbildungsreise nach Riedlingen, dort fand das Narrentreffen der Oberschwäbischen Narrenzünfte statt. Den „Prinzen Charneval“ verkörperte in diesem Jahr Adelbert Flöß, als seine Prinzessin fungierte Fräulein Lehrerin Wüst. Stadtschultheiß war wiederum Josef Teufel. Der Umzug des Jahres 1956 fiel aus: Schon Tage zuvor herrschte klirrende Kälte, bis zu –25°C wurden gemessen. Der Chronist vermerkte jedoch, dass nicht nur die Kälte, sondern vor allem die fehlende Lust der Aktiven zum Ausfall des Umzugs führte. Die zahlreich erschienenen Zuschauer mussten also unverrichteter Dinge abziehen. Von
1957 an führte Willy Jerg die Narrenchronik, zudem übernahm Eugen
Gluitz das Amt des Narrenvaters. Schon damals überlegte man, die Fasnet
unter ein bestimmtes Motto zu stellen. „Höhenluftkurort Inneringen“
und „Quer durch die Milchstraße standen zur Diskussion. In diesem
Jahr bildeten Franz Fink und Christa Kleck das Prinzenpaar, Josef
Bregenzer und Maria Fink fungierten als Stadtschultheißenpaar und
Adelbert Teufel als Adjutant. Im Rahmen des Kinderumzugs wurde der
Elferrat beim damals noch bei der „Sonne“ vorhandenen Waaghäusle
gewogen: 910 Kilo, also gerade mal 82 kg im Schnitt brachten die Räte
auf die Waage. Ob heute das Ergebnis anders ausfallen würde? Beim Umzug
am Fasnetsdienstag wurde unter anderem der neu erbaute Wasserturm als
„Bierversorgungsbunker Hohe Alb“ dargestellt, aber auch das
„Kurbad Wede“ (für Auswärtige: Der Inneringer See) wusste zu
begeistern. 1958
wurden für den Elferrat einheitliche Umhänge beschafft. Spektakulär
war der Fasnetsauftakt: Der Elferrat trat gegen die jüngst gegründete
Fußballmannschaft des TSV an und unterlag knapp mit 0:11. Karl Kempf
und Elisabeth Kempf konnten in letzter Minute als Prinzenpaar gewonnen
werden, Adelbert Flöß und Germana Grom fungierten als Stadtschultheißenpaar.
Erstmals wurden auch Orden verliehen: Einer der Ordensträger neben den
Elferräten war Albert Traub, der den Narren einen alten Opel P4 zur
Verfügung stellte. Dieser leistete fortan mit abgesägtem Dach als
offizielles Narrenfahrzeug treue Dienste. Am Umzug nahmen wieder mehrere
Gruppen teil, eine Mondrakete war ebenso vertreten wie die bildliche
Umsetzung des Europäischen Markts. Ein
Jahr später präsidierten Josef Flöß d. Matth. und Albertine Blatter
als Prinzenpaar, beim Umzug wird u.a. das neuerbaute Schwimmbad
thematisiert. Vom damaligen Stadtschultes und dem Adjutant sind leider
nur die Decknamen überliefert: Karolus von Dickus und Kohlrabenhannes
von Dickwang übernahmen diese Ämter.
Im
Jahr 1960 führte der Umzug wie üblich durch das Mitteldorf. Vorne an
der Trommel Walter Teufel, dahinter das Prinzenpaar Gordo Maier und
Liesel Kempf. 1960
bildeten Gordo Maier und Liesel Kempf das Prinzenpaar. Erstmals
erhielten Prinzenpaar und Narrenvater Spesenmittel in Höhe von jeweils
30 DM von der Gemeinde. Die offenkundig zu später Stunde von Bürgermeister
Brandstetter ausgefertigte Urkunde wurde vom Chronisten sorgsam zu den
Akten genommen. Hermann Datz und Toni Flöß fertigten auch einheitliche
Hosen für den Elferrat.
Ebenfalls
aus dem Jahr 1960: Die Elferräte Albert Sprißler, Wilhelm Kirschbaum
und Josef Ais vor der „Sonne“.
Und
noch die Abordnung der Musik in diesem Jahr: Edi Metzger, Josef Datz,
Kurt Teufel, Josef Fink, Adolf Teufel und Josef Grom. Mit
einem Paukenschlag enden die ältesten vorhandenen Aufzeichnungen über
die Inneringer Fasnet. Am 23. Januar 1961 trat der gesamte Elferrat zurück,
und zwar aufgrund von Tatsachen, die – so der Chronist – weit außerhalb
des Elferrats lagen.
Die
„Neuzeit“ der Inneringer Fasnet
Aber die Fasnet ging weiter, und als nächster Meilenstein kann die Zeit der 70er Jahre gesehen werden. Im Jahr 1972 wurde eine offizielle Prinzengarde gebildet, die das örtliche Prinzenpaar ergänzten. Die blau-weißen Uniformen hatten keinerlei Bezug zur örtlichen Fasnetsgeschichte, sondern sollten einfach nur optisch auffallend wirken. Auch hieran lässt sich erkennen, dass vor allem die Fasnet stark dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen war, denn auch in vielen Nachbargemeinden entstanden in dieser Zeit nach rheinischem Vorbild ("Mainz bleibt Mainz ...") Prinzengarden. Insofern wurde in dieser Zeit von der eigentlichen Bedeutung der Fasnet als nahezu ausschließlich ortsbezogener Veranstaltung immer mehr abgewichen.
Ein
Bild aus den 70er Jahren: Auf dem Hanomag-Bus von Josef Teufel
(Schlosser) thront Narrenvereinsvorstand Peter Kopp, flankiert von zwei
Gardemädchen. In
diese Zeit fiel auch die offizielle Gründung der Narrenzunft Ende des
Jahres 1977, im Jahr darauf wurde die „Narrenzunft Inneringen e.V.“
offiziell in das Vereinsregister eingetragen. Der damalige Narrenvatter
Peter Kopp führte fortan die Bezeichnung "Präsident". Seit
1980 steht Benno Fritz an der Spitze des Vereins. Eine
weitere Fortentwicklung der Fasnet in unserem Raum war der Trend zu
eigenständigen Maskengruppen, der spätestens seit Anfang der 80er
Jahre immer stärker wurde. Auch in Inneringen war dies der Fall, und so
wurde erstmals bei der Fasnet 1982 das von Ilse Wolf geschaffene Kostüm
der "Kohlraben-Köpf" vorgestellt. Die Figur entstand aus
einem "Übernamen", der seit ewigen Zeiten auf der Inneringer
Einwohnerschaft lastet. Die Legende sagt, dass ein Inneringer Bauer beim
Erntedankfest in Sigmaringen den größten Kohlraben ausgestellt hatte.
Aufgrund dessen überdimensionalen Maßen wurden Inneringer Bürger
fortan mit "Kohlrabenköpf" betitelt, was anfangs nicht selten
Anlass zu ernsthaften Handgreiflichkeiten war. Seit Mitte der 80er Jahre
hat sich dies jedoch grundlegend gewandelt und die Inneringer
Narrenzunft stellt mit ihrem ungewöhnlichen und auffallenden Kostüm
auf jedem Umzug einen erfrischenden Farbtupfer dar. Dies ist auch daran
erkennbar, dass an so manchem Narrenhäs der näheren und weiteren
Umgebung ein Kohlrabenblatt als Accessoire zu finden ist. In dieser Zeit wurden auch aus Prinzenpaar und Prinzengarde in Anlehnung an die Inneringer Geschichte Vogtenpaar und Zunftgarde.
Die
Zunftgarde im Jahr 1987 Die in den Ortsfarben grün-gelb gehaltenen Uniformen und Kleider diese Figuren, aber auch die des Elferrats (jetzt Zunftrat) wurden historischen Vorbildern angeglichen.
Der Zunftrat im Jahr 1987 mit dem damaligen Vogt Gerhard Sprißler Auch die Figur des „Stadtbürgermeisters“ hat als heutiger Narrenschultes überlebt. Amtsinhaber war bis 1990 Gerhard "Woze" Flöß, seither hat Wolfgang Reiser diese Funktion inne.
Kohlraben
und Zunftgarde Anfang der 90er Jahre Einen
weiteren entscheidenden Fortschritt in der jüngeren Inneringer
Fasnetsgeschichte war im Jahr 1983 die Gründung der Inneringer
Guggenmusik "Blattläus". Der enorme Wille von Zunftpräsident
Benno Fritz, der diese Weiterentwicklung der oberschwäbischen
"Lumpenkapellen" in der schweizerischen Fasnet entdeckte und
die musikalische Gabe des damaligen Dirigenten Udo Werkmann waren eine
feste Grundlage für die Gründung. Die richtige Mischung bekannter
Melodien mit kontrolliertem Krach und jeder Menge Spaß an der Fasnet
und an der Musik hat in den vergangenen Jahren so manchen auf Tische und
Stühle gelockt. Vom ersten Auftritt der Guggenmusik beim
Alb-Lauchert-Ringtreffen 1984 in Benzingen bzw. Winterlingen berichtete
die Lokalpresse wie folgt: „An Lautstärke aber waren die „Blattläus“ aus Inneringen nicht zu übertreffen. Die Guggenmusik von der rauen Alb bearbeitete ihr Blas- und Schlaginstrumente mit solch er Inbrunst, dass man sich wundern musste, dass das Material solcher Belastung noch gewachsen war. Nicht mehr Stand hielt den Lärmwellen Winterlingens Bürgermeister Friedrich Witzemann. Er trat frühzeitig den Heimweg an. Ein anderer Ballbesucher reagierte gelassener. Er spöttelte während des „Blattläuse-Spektakels“, jetzt sei ihm klar, warum die Amerikaner ihre Raketenstation in Inneringen verlassen hätten.
Die Bingeringer beim Deutschen Turnfest 2002 in Leipzig Zusammen
mit der Turngruppe des TV Bingen bildet die Guggenmusik Inneringen seit
1998 ein erfolgreiches Gespann bei Turnfesten: Sowohl bei den Deutschen
Turnfesten 1998 in München und 2002 in Leipzig wie auch bei den
Landesturnfesten 1999 in Aalen und 2003 in Villingen-Schwenningen
überzeugten die "Bingeringer" mit ihrer Mischung aus
Livemusik und Turnakrobatik. Von 2001 bis 2009 standen Jochen Datz und Andrea Datz an der Spitze der Guggenmusik. Im Jahr 2001 wurde auch die erste CD der Gruppe unter dem Titel „Kohlrabenalarm I“ veröffentlicht. Seit 2009 ist Marc Fritz Chef der "Blattläuse". Inneringen ist Gründungsmitglied des Alb-Lauchert-Rings, der wie oben erwähnt im Jahr 1984 sein erstes Ringtreffen in Winterlingen veranstaltete. Die Narrenzunft Inneringen war bereits in den Jahren 1988 und 1995 Gastgeber dieser Veranstaltung, die in unserer Region einen sehr hohen Stellenwert hat. Ein
weiterer wichtiger Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die Eröffnung
des Narrenheims. Wiedereinmal war es die Willensstärke von Vorstand
Benno Fritz, die aus der früheren Fabrikationsstätte für
Kunststoffspritzteile von Bruno bzw. Dieter Möller hinter dem
gemeindlichen Farrenstall die Heimstatt der Inneringer Narren machte. Im
Spätsommer des Jahres 2000 wurde mit dem Umbau begonnen, und schon zur
Fasnet 2001 war das Narrenheim so hergerichtet, dass es genutzt werden
konnte. Unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden haben die Mitglieder des
Vereins für diese Sache aufgebracht, manch einer hat einen großen Teil
seines Jahresurlaubs in das Vorhaben investiert. Aber: Es hat sich
gelohnt! Seit der Fertigstellung des Gebäudes ist regelmäßig Freitags
für alle Mitglieder Stammtisch, was zu einer weiteren Verbesserung des
Vereinsleben geführt hat. Bei der Fußball-WM 2006 war das Narrenheim
örtliches "Public-Viewing-Area" und die ausgelassen feiernden
Fans sorgten für gute Stimmung. Auch aus der Oatsfasnet ist das schmucke Haus
nicht mehr wegzudenken. Äußerst erfolgreich verlief das Alb-Lauchert-Ringtreffen 2006, das in der ehemaligen Sägehalle des Holzwerks Kempf ausgerichtet wurde. Drei Tage lang stand Inneringen im Mittelpunkt des närrischen Geschehens auf der Alb, und dank des unermüdlichen Einsatzes der Inneringer Narren gelang es, allen Gästen ein paar unbeschwerte Fasnetsstunden zu bieten. Vom 5. bis 7. Februar 2010 feierte die Narrenzunft ihr 33jähriges Bestehen. Mit einem Nachtumzug am Freitag, einem Showtanzwettbewerb am Samstag und einem großen Jubiläumsumzug am Sonntag wurde konnte eine insgesamt sehr gelungene Veranstaltung mit einigen tausend Besuchern verbucht werden. Gleichzeitig konnte Vorstand Benno Fritz für 30 Jahre an der Spitze des Vereins geehrt werden. Die
Inneringer Fasnet heute Seit
einigen Jahren hat sich für die Inneringer Fasnet ein relativ fester
Programmablauf entwickelt: Frühzeitiger
Vorbote der Fasnet ist das „Schupfnudelessen“ anlässlich der
Fasnetseröffnung am 11. November im Gasthaus Bögle. Dort werden die
ersten wichtigen Termine und Daten bekanntgegeben, und man trifft sich
einfach einmal wieder. Mit dem Alb-Lauchert-Ringtreffen beginnt dann die
jeweilige Fasnetssaison. An den folgenden Wochenenden nimmt die
Narrenzunft an Umzügen in der näheren und weiteren Umgebung teil. Den
Beginn der eigentlichen Ortsfasnet bildet der "Schmotzige Doschdeg".
Bis spätestens zu diesem Tag wird seit 1984 das "Narrenblättle"
herausgegeben, in dem Termine, Ortsgeschehen und sonstige Neuigkeiten
(Wahrheiten und Halbwahrheiten) von öffentlichem Interesse
bekanntgegeben werden. Traditionell ist an diesem Tag auch die Befreiung
der Kindergartenkinder und Grundschüler. Hier werden vom
Kindergartenpersonal und den Lehrern der Grundschule mit den Kindern
jeweils kurze Einlagen vorgeführt. Im Anschluss daran ziehen die Kinder
zusammen mit der Guggenmusik, den Zunfträten und Kohlraben im Ort herum
und werden bei den örtlichen Geschäften mit Leckereien bedacht. Nachmittags
wird dann auf dem Dorfplatz der Narrenbaum als weithin sichtbares
Zeichen des närrischen Ausnahmezustands aufgestellt. Bis Anfang der
90er Jahr fand auch noch eine offizielle Entmachtung von Bürgermeister
Johannes Müller vor dem Rathaus auf dem Programm, wobei hier der dann
zuständige Narrenschultes eine erste Regierungserklärung abgab. Diese Tradition
setzten seine Nachfolger Stefan Bubeck und Uwe Bühler wieder
fort. Am Schmotzigen
Doschdeg wird auch traditionell in den örtlichen Wirtschaften "Gröschts"
gegessen, in den Häusern werden Fasnetsküchle und Glühwein bzw. -most
serviert. Die
eigentliche „Oatsfasnet“, also das närrische Treiben im Ort selbst,
hat seit der Eröffnung des Narrenheims (umgangssprachlich „Haus der
Verzweiflung“ genannt) deutlich an Bedeutung gewonnen. Freitags ist
Hausball im Narrenheim, beim „Kohlrabengießen“ werden die Narren
gestärkt, um die anstrengende Restfasnet zu verkraften. Das leibliche
Wohl steht auch am Fasnetssamstag im Mittelpunkt: Mit einer zünftigen
„Metzgede“ wird an die uralte Tradition der Hausschlachtungen angeknüpft. Am Fasnetssonntag nach der Kirche wird die Fasnet "ausgeschrien". Mehrere "wetterfeste" Männer geben an verschiedenen Punkten im Ort das weitere Programm der Fasnet sowie sonstige Informationen über Lautsprecher bekannt. Seit 2009 ist dieses "Relikt" der alten Inneringer Fasnet etwas eingeschlafen, ab 2011 wollen jüngere Akteure diesen Brauch aber wieder fortsetzen. Am Abend findet dann der Bürgerball statt, seit
1984 in der örtlichen Festhalle. Hier sind tänzerische und
humoristische Einlagen sowie vor allem das "Oatsgschea", das
Vortragen der örtlichen Gegebenheiten im letzten Jahr, feste
Bestandteile. Seit 2002 bildet am Fasnetsmontag das Narrengericht mit anschließendem „Kohlrabenverhächseln“ – gemeint ist das Schicksal der verurteilten Delinquenten – einen weiteren Höhepunkt. Das „hohle Gericht“, im wesentlichen erfahrene TSV-Theaterspieler, bringt dabei die innerörtlichen Vorkommnisse zur Sprache und spricht drakonische Strafen aus. Zuvor findet in der Alballe der Kinderball statt, der von der Grundschule und vom Kindergarten, aber auch von den Kindergruppen des TSV und vom Musikverein mitgestaltet wird. Bis 1990 fand am Abend dann noch der "Kohlrabenball", ein reiner Tanzabend meist mit den Albdorfmusikanten aus Pfronstetten, im Adler- bzw. Schwanensaal statt. Der
"Fasnetszeischdeg" beginnt mit einem Frühschoppen im Gasthaus
Bögle, bei dem traditionell Bratwürste oder Gröschts serviert werden.
Hieran nehmen auch immer wieder Einwohner aus dem benachbarten
Egelfingen teil. In den frühen Abendstunden findet die Fasnet dann nach
dem "Ummachen" des Narrenbaums ihr Ende beim Kehraus in den örtlichen
Wirtschaften. "Nichts
ist so beständig wie der Wandel" - Dieses Sprichwort trifft wohl
besonders auch auf die Geschichte der Fasnet zu. Allein in den letzten
Jahrzehnten hat sich die Inneringer Ortsfasnet immer wieder grundlegend
gewandelt, was sicherlich von den jeweiligen "Generationen"
stark bedauert wurde. Diese Entwicklung zeigt jedoch auch die
ungebrochene Dynamik, die im närrischen Leben vorherrscht. Nachdem Veränderungen
letztlich auch von Lebendigkeit zeugen, kann die Inneringer Fasnet, an
der Spitze die Narrenzunft, sicherlich beruhigt in die Zukunft blicken. |