Wasserversorgung


Elmar Steinhart schaut täglich im Hettingen Wasserwerk nach, ob die Maschinen richtig laufen.

Hettinger Wasserwerk ist 100 Jahre alt

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Quelle: www.schwäbische.de

Der Bauhofleiter der Stadt Hettingen, Elmar Steinhart, ist bestens vorbereitet auf den Tag der offenen Tür im Hettinger Wasserwerk, mit dem das 100-jährige Bestehen des Werks gefeiert wird. Am 15.09.2013 wird Steinhart die interessierten Gäste an zwei Terminen (13.30 Uhr und 15 Uhr) durch die im Jahre 1913 an der Hauptstraße erbaute Pumpstation führen und die Funktionsweise der Wasserversorgung erklären. Seit knapp zwei Jahren ist er für das Wasserwerk verantwortlich, wofür er mehrere Fortbildungen absolvierte.

27 Kilometer lang ist das Hettinger Leitungsnetz. Täglich werden 450 Kubikmeter Wasser aus der Sebastiansquelle und aus dem Schwindelbrunnen hier aufbereitet. Dank der grundlegenden Sanierung, die in den vergangenen Jahren erfolgte, wurde die gesamte Technik und Elektronik auf den neuesten Stand gebracht. Steinhart wird über sein Handy alarmiert, sollte eine Störung auftreten. Und Störungen gibt es durchaus auch in der Nacht. In diesem Fall kann der Wassermeister sich zu Hause mit seinem Laptop in die Anlage einwählen und den Fehler einsehen. „Früher musste man immer herkommen, um die Ursache für die Alarmierung festzustellen“, erklärt der Bauhofleiter, „das ist zum Glück jetzt nicht mehr so.“

Die Alarmierung erfolge relativ oft, weiß Steinhart. Zum Beispiel wenn die Feuerwehrhauptübung in einer Gemeinde des Zweckverbands (Hettingen, Inneringen, Hohwies, Hochberg, Egelfingen, Billafingen, Emerfeld und Warmtal) stattfindet. Da überproportional viel Wasser abfließe schlage das System Alarm. „Ist keine Hauptübung und der Wasserverbrauch schießt in die Höhe, muss ich die entsprechende Gemeinde alarmieren. Das sehe ich hier in der Zentrale des Wasserwerks“, erklärt Steinhart weiter.

Schwierige Anfänge

Wilfried Liener, stellvertretender Bürgermeister, hat für den Festakt mehrere Tage im Sigmaringer Staatsarchiv recherchiert und die Anfänge des Zweckverbandes dokumentiert. Diese Anfänge waren durchaus schwieriger Natur und es braucht mehrere Jahre, bis es zur Gründung des Verbandes kam. Vor allem die hohen Kosten für den Bau der Pumpstation, der Druckleitungen, der zwei kombinierten Hochbehälter für die Talgemeinden und die vier Behälter für die Berggemeinden sorgten für Unmut.

Demnach sprach man damals von „nassen“ und von „trockenen“ Bürgern. Bürgermeisterin und Verbandsvorsitzende Dagmar Kuster spricht rückblickend von einer Erfolgsgeschichte des Verbands, bei der heute etwa 2500 Einwohner mit Trinkwasser versorgt werden.


Auszug aus der Festschrift des Zweckverbands:

„….. mit erschwinglichen Kosten ein Werk in die Wege leiten, für das Kinder , Enkel und Urenkel dankbar sein werden“

Startschwierigkeiten vor 100 Jahren 

Mit o .g. Worten kommentierte der Schreiber in der Lauchertzeitung am 4. Dezember 1907 die bevorstehende Versammlung in Inneringen, an der dann ca. 250 Bürger aus dem Laucherttal und von den östlichen Gemeinden auf der Hochfläche teilnahmen; diese Versammlung kann als Geburtsstunde des Zweckverbandes bezeichnet werden. Herr Bauinspektor Groß aus Stuttgart hatte vorher die Gegend bereist und machte im Gasthof Sonne Vorschläge zur Umsetzung der Wasserversorgung. Dazu hatte das Oberamt Gammertingen  die Gemeinden Inneringen, Hochberg, Hettingen, Hermentingen, Veringenstadt und Egelfingen eingeladen. Es waren auch Vertreter aus Veringendorf, Jungnau , Billafingen und Emerfeld anwesend. Viele Quellen im Laucherttal erschienen als geeignet und es wurde eine Resolution von den Anwesenden unterzeichnet, die die Erbauung einer Hauswasserversorgung als dringendes Bedürfnis betrachtete. Die Jungnauer Vertreter unterzeichneten nicht, da man bereits mit Veringendorf einen Vertrag zur Wasserversorgung ausgearbeitet hatte. Der Egelfinger Pfarrer bot das dortige Trinkwasser aus der Hülbe den Versammlungsteilnehmern an, was diese aber ablehnten, worauf der ein Hoch auf das geplante Wasserprojekt ausbrachte.

Nachdem das Oberamt aus den betreffenden Gemeinden das Einverständnis zur Beauftragung eines geeigneten Technikers bei den betreffenden Gemeinden eingeholt hatte, arbeitete Bauinspektor Groß aus dem württembergischen Stuttgart Vorschläge für das Projekt aus. Am 25.7. 1909 stellt er diese im Löwen in Veringendorf vor und macht den Vorschlag, die Pumpstation in Veringendorf zu bauen, da dort eine geeignete Quelle und die notwendige Pumpkraft aus der Lauchert vorhanden sei und die Gemeinden Benzingen, Winterlingen und Blättringen mit angeschlossen werden könnten. Doch Veringendorf und Jungnau konnten diesem Vorschlag nicht ohne weiteres zustimmen. Erstens weil sie schon vertraglich eine eigene Wasserversorgung mit Vorleistungen auf den Weg gebracht hatten und zweitens weil Veringendorf Sonderforderungen, vor allem  was die Betriebskosten anbetraf, stellte.

Nach dreijährigen Verhandlungen der betreffenden Gemeinden konnte mit Veringendorf keine Einigung erzielt werden. Hettingen hatte zwischenzeitlich eigenständig geplant und eine gemeindeeigene Wasserversorgung vorgesehen, sah jetzt aber die Chance, sich mit seiner Quelle und seiner Wasserkraft als Standort für ein Pumpwerk anzubieten. Am 18.2.1912 ging das Angebot an das Oberamt in Gammertingen und schon am 28.2.1912 will Inneringen als die einwohnerstärkste und die viehreichste Gemeinde das Angebot annehmen, auch weil bereits zwei Hettinger Unternehmer, der Säger Knaus und der Müller Mayer, ihre elektrische Kraft aus der Lauchert der Pumpanlage zur Verfügung stellen wollten. Unter diesen Bedingungen befürwortet auch Bauinspektor Groß den Standort Hettingen und im Sommer 1912 beschließen die Gemeinderäte aus den hohenzollerischen Gemeinden Inneringen, Hettingen, Hochberg, Billafingen und Hermentingen, sowie die württembergischen Gemeinden Emerfeld und Egelfingen, eine gemeinsame Wasserversorgung aufzubauen. In einer ersten Satzung mit 61 Paragraphen versuchte man alles zu regulieren, insbesondere die Kostenfrage, denn es gab „Bergler und Talbewohner, welche in vielen Fragen sich nicht immer verstanden haben und verstehen wollten“, so die Lauchertzeitung. Doch die Einigkeit setzte sich durch und man fand einen Schlüssel, wie man die Kosten verteilen wollte. Für jeden Einwohner und jede Großvieheinheit setzte man täglich 50 Liter an, für ein Kleinvieh 15 Liter, jedoch wurden diese Zahlen unterschiedlich gewichtet je nach Förderhöhe. Für die Gemeinden auf der Hochfläche wurde mit einem Höhenfaktor 192 gerechnet und für die Talgemeinden mit dem Faktor 78. Für den Entscheidungsträger des Verbandes, den Verbandsausschuss, wurde pro 250 Einwohner ein Vertreter jeder Gemeinde vorgesehen.

Erste wichtige Entscheidungen musste dieser Aussschuss  treffen. Als Verbandsvorsteher wurde Bürgermeister Josef Kempf aus Inneringen und als sein Stellvertreter Albert Ott ebenfalls aus Inneringen gewählt. Für die Pumpenwärterstelle gab es zwei Bewerbungen, der Schlosser Franz Ott aus Inneringen und der Schlosser Karl Knaus aus Hettingen, bei einer Stichwahl  setzte sich schließlich Franz Ott durch. Neben einem Jahresgehalt von 700 Mark bekam er die Wohnung und das Brennholz gestellt, musste allerdings für die Maschinen eine Kaution hinterlegen. Die Bauarbeiten für die Anlage wurden hauptsächlich an einheimische, insbesondere Hettinger Firmen vergeben. Inzwischen sind die Verhandlungen wegen der elektrischen Kraft für die Pumpanlage gescheitert und man überlegte die Wasserkraft mit einer Rohrleitung von dem bestehenden Wehr an der Ziegelbrücke zu nutzen, was im Ausschuss dann als zu teuer betrachtete wurde und einigte sich auf einen Dieselmotor mit 30 PS, wobei rechnerisch nur 8 PS für die Talgemeinden und 18 PS für die Höhengemeinden notwendig waren.

Der Bau der Pumpstation, der Druckleitungen , der 2 kombinierten Hochbehälter für die Talgemeinden und der 4 kombinierten Hochbehälter für die Berggemeinden  machte erstaunlicherweise zügig Fortschritt und im Oktober 1913 konnte die Anlage in Betrieb genommen werden. Für die Hausanschlüsse, beginnend an den jeweiligen Hochbehältern, war jede Gemeinde selbst verantwortlich. In Hettingen waren nicht alle Bürger von der neuen Wasserleitung überzeugt, vor allem wegen den Kosten, hatten sie doch genügend Wasser von der Lauchert oder auch von Brunnen, in Inneringen seien nur wenige von der Hauswassserleitung abgeneigt gewesen, man sprach von „nassen“ und „trockenen“ Bürgern.

Bei der Schlussabrechnung für die Anlage kamen 3800000 Mark zusammen, ursprünglich ging man von rund 305000 Mark aus. Entsprechend dem Verteilungsschlüssel wurden sie folgendermaßen aufgeteilt: Inneringen ca 43%, Hettingen ca. 15%, Emerfeld ca. 11%. Billafingen ca. 8%, Egelfingen ca. 8%, Hermentingen ca. 8% und Hochberg ca. 6%. Emerfeld allerdinges legte Protest ein, weil die Bewohner und das Vieh vom Warmtal mitgerechnet wurden. Zur Finanzierung  versuchte man öffentliche Töpfe, wie z.B. der Hohenzollerische Kommunalverband und die Preußische Landesversicherungsanstalt anzuzapfen, letztere konnte dann wegen des ausgebrochenen 1. Weltkrieges keinen Kredit gewähren.

Die offiziellen Einweihungsfeierlichkeiten fanden am Sonntag, den 14.6.1914 statt, beginnend mit einem frühmorgendlichen Festgottesdienst, anschließender Begrüßung  der Festgäste durch den Hettinger Bürgermeister Steinle in der Pumpstation und einer ganztätigen Rundfahrt auf geschmückten Leiterwagen durch alle Gemeinden des Verbandes. Am späten Nachmittag traf man in Inneringen in der Sonne zum gemeinsamen Essen und offiziellen Reden ein. Abends musste man rechtzeitig zu den letzten Zügen  wieder in Hettingen sein.

Wenige Wochen später brach der 1.Weltkrieg aus, was für die neue Anlage verschieden Probleme mit sich brachte. Der Pumpenwärter Franz Ott wurde bereits im August zum Militärdienst einbezogen, sodass Hilfswärter die Anlage betreuten, schließlich sollte der Hilfswärter Josef Ott vom Militärdienst befreit werden, damit eine sichere Betreuung gewährleistet war. Denn Emerfeld hatte einige Tage kein Wasser und beschwerte sich beim Vorstand. Stimmen wurden laut, die Maschinen werden unsachgemäß behandelt und statt der geplanten 8 – 10 Stunden täglich, musste teilweise 18 – 20 Stunden gepumpt werden, allerdings lag die Ursache an der Luft in der Saugleitung. Die Betriebskosten in den ersten Jahren überstiegen ganz erheblich den geplanten Rahmen, weil der Preis für das Rohöl des Dieselmotors kriegsbedingt um das dreifache gestiegen ist, trotzdem meinten Techniker 1917, ein Elektromotor wäre teurer, allerdings sollte man einen solchen als Ersatz anschaffen, für den Fall, dass der Dieselmotor ausfällt und dann die Bewohner ohne Wasser wären.

Trotz dieser Startschwierigkeiten sind wir Enkel und Urenkel nach 100 Jahren dankbar für das unentbehrliche Lebensgut Wasser, das uns in genügender Menge, guter Qualität und mit „erschwinglichen Kosten“ zur Verfügung steht.


www.inneringen.de